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Radwelten: Warum gehen Flüchtlinge unterschiedlich sorgsam mit dem Fahrrad um?

In vielen Ländern gilt das Fahrrad als Transportmittel für Arme. Aufgrund der explosionsartigen Wachstumsquoten in Ländern wie der Türkei, Saudi-Arabien oder China und der stetigen Orientierung nach Westen ist dort auch eine Zunahme an Besitz von fossilen Statusobjekten zu verzeichnen. Durch die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft stellt das Auto ein geeignetes Objekt zur Positionierung im sozialen Milieu dar. Dies ist zudem einem medial übermittelten Bild von westlichen Wohlstandsnationen geschuldet, die das Auto zum Zentrum des sozialen Erfolgs erheben. Hinzu kommt ein oftmals unterschiedliches Verhältnis zu Transportmitteln allgemein. Anders als in Deutschland gelten Fahrzeuge ob Auto, Motorrad, oder Fahrrad nicht als Prestigeobjekt, sondern als Gebrauchsmittel. Die unterschiedlichen Beziehungen zum Fahrrad kann aber nicht verallgemeinert werden. In vielen Regionen Afrikas ist das Rad z.B. ein essenzielles, weil ökonomisches Fortbewegungsmittel, das gleichermaßen begehrt und auch notwendig ist.  Eine Alternative zum Besitz von Fahrrädern in Unterkünften ist auch ein Leihsystem. In Leutenbach und Winnenden verlangt der Freundeskreis Flüchtlinge z.B. eine Pauschale von 25 € Pfand, damit Fahrräder unbegrenzt und kostenlos verliehen werden können. Dadurch wir der Wert des Fahrrads kommuniziert und garantiert, dass sich die Geflüchteten um das Transportmittel kümmern. Zudem hat es sich bewährt Fahrradwerkstätten einzurichten, die Geflüchteten nicht nur eine sinnvolle Beschäftigung geben, sondern ihnen auch den Wert des Transportmittels vermitteln und aktiv Integrationsarbeit leisten. (Siehe dazu auch die Best Practice Beispiele I und Was sollte eine Kommune bei gespendeten Fahrrädern beachten?)

(Foto: Mirko Reinhard; Rückenwind e.V.)

Veröffentlicht am: 23.03.2016