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Radwelten: Warum sollten Kommunen das Radfahren von Flüchtlingen fördern?

Der Großteil der nach Deutschland fliehenden Menschen hat eine komplexe Mobilitätsgeschichte hinter sich. Ob über Wasser, Land oder Luft, mit dem Auto, Flugzeug, Boot, zu Fuß oder dem Fahrrad, die unterschiedlichsten Transportmittel dienten zur Flucht, so lange sie die Fluchtbewegungen beförderten. In Deutschland angekommen verändert sich das Mobilitätsverhalten drastisch. Da es mehrere Monate oder Jahre bis zur finalen Bewilligung von Asylanträgen dauern kann, stellt die Residenzpflicht (§ 56 AsylG) für Geflüchtete eine radikal andere Art der Bewegungsfreiheit dar. Bis Anträgen final stattgegeben wird, sind Geflüchtete, je nach Aufenthaltsort, stark in ihrer Mobilität eingeschränkt. Selbst wenn sie in Großstädten aufgenommen werden und hier noch mehr Möglichkeiten bestehen, um von A nach B zu kommen, gibt es auch hier Einschränkungen. Aufgrund der großen Distanzen kann das ein Hindernis an der freien Bewegung darstellen, da die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr nur eingeschränkt getragen werden. Dabei ist das Fahrrad auch für die große Zahl an Behördengängen nützlich, die in Großstädten auch oft weit verteilt gelegen sind. So können auch schulpflichtige, minderjährige Geflüchtete mit dem Rad nicht nur leichter ihren Schulweg bewältigen, sondern auch ihre Freizeit aktiver gestalten. In kleineren Kommunen, die über kein, oder ein nur schlecht ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz verfügen, ist das Fahrrad deswegen oft ein preiswertes Mittel um Wege zurückzulegen, das neue Zuhause zu erkunden und einfach um in Bewegung zu bleiben. Gleichzeitig fördert das Fahrrad die soziale Partizipation und stellt einen ersten Schritt zur erfolgreichen Integration dar. Zudem lassen sich im Zusammenspiel mit engagierten BürgerInnen Fahrrad-Projekte initiieren, die den Geflüchteten soziale Partizipation ermöglichen und ihnen bestenfalls eine wertschätzende Tätigkeit geben. Viele Vereine und neue Initiativen haben über das Thema Flüchtlinge und Fahrrad bundesweit wertvolle Arbeit geleistet und Menschen verschiedenster Kulturen zusammengeführt. Eine Auswahl der verschiedenen Projekte kann hier abgerufen werden:

Ein Wegweiser des Deutschen Instituts für Urbanistik zum Thema Flüchtlinge und Mobilität.
Die Arbeitsgruppe Asyl des ADFC München.
Eine Übersicht an Fahrradprojekten mit Flüchtlingen.

 

Veröffentlicht am: 08.03.2016