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Innovative Radverkehrsförderung: Kombistreifen für mehr Sicherheit im Radverkehr

Rechtsabbiegende Kfz sind ein bedeutender Konflikt und Unfallanlass bei geradeaus fahrenden Radfahrern. Dies ist fast unabhängig davon, ob Radfahrer im Mischverkehr auf der Fahrbahn, auf Radfahrstreifen, Schutzstreifen oder einem baulichen Radweg fahren. Hintergrund ist, dass Autofahrer überwiegend auf den Schulterblick verzichten oder die Sicht, z.B. durch parkende Fahrzeuge, häufig eingeschränkt ist. Hinzu kommt der Tote Winkel, der vor allem bei Lkws, aber auch bei anderen Fahrzeugen mit blickdichten Aufbauten (z.B. zahlreiche Lieferfahrzeuge, Kastenwagen) zu unzureichenden Sichtbeziehungen zwischen den Verkehrsteilnehmern führt.

Von hinten rechts heranfahrende, bevorrechtigte Radfahrer werden dadurch vom wartepflichtigen Autofahrer nicht oder zu spät gesehen. Als grundsätzlicher Lösungsansatz gilt, den Radverkehr links eines Rechtsabbiegestreifens gesichert (z.B. auf einem Radfahrstreifen) zu führen (vgl. Bild München, entsprechend in den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen, ERA 2010) – soweit die Platzverhältnisse das zulassen. Damit sind Radfahrer durchgehend im Sichtfeld der Autofahrer. Beide verflechten sich fahrend vor dem Knotenpunkt und der Konflikt beim Abbiegen selbst entfällt. Diese Gestaltung hat sich bei der Analyse des Konflikt- und Unfallgeschehens als günstig erwiesen.

München_Isartor mit C(München, Foto: PGV-Alrutz)

Soweit die Platzverhältnisse diese Lösung nicht zulassen, kann der geradeausfahrende Radverkehr auf dem Rechtsabbiegestreifen mitgeführt werden („Kombistreifen“, auch „qualifizierter Rechtsabbiegestreifen“ genannt). Dies wird durch ein Fahrrad-Piktogramm verdeutlicht. Ergänzend kann die Anordnung des StVO-Verkehrszeichens 209 (vorgeschriebene Fahrtrichtung rechts) mit dem Zusatzzeichen 1022-10 (Radverkehr frei) am Knotenpunkt erfolgen.

Mit dieser Lösung hat die Stadt Leipzig seit 2000 inzwischen acht Knotenpunkte ausgestattet, die seit Beginn besonderer Untersuchungen 2009 nicht unfallauffällig sind und gut funktionieren. In der Regel existiert dabei vor wie auch nach dem Knotenpunkt ein Radfahrstreifen, Schutzstreifen oder Radweg zur weiteren Führung des Radverkehrs. Auch in anderen deutschen Städten ist diese Lösung vereinzelt im Einsatz.

Leipzig - G.-Schumann-Str.-Lindenthaler Str. 02 (Foto Stadt Leipzig)(Kombistreifen, Foto: Stadt Leipzig)

In Kopenhagen, der Stadt mit dem Anspruch „weltbeste Fahrradstadt“ zu werden, ist der Kombistreifen inzwischen eine häufig verwendete Standardlösung. Die Breitenverhältnisse sind hier teilweise so, dass man sie als Radfahrstreifen, Rechtsabbieger frei bezeichnen könnte. Auch die Größe des Fahrrad-Piktogramms ist bemerkenswert. (Der klein wirkende Rechtsabbiegepfeil ist hingegen in Dänemark die Standardgröße.)

IMG_20160616_191418(Kopenhagen, Foto: PGV-Alrutz)

Trotz des Einsatzes von Kombistreifen an diversen Knotenpunkten in verschiedenen Städten steht eine systematische Untersuchung von Verhalten und Wirkungen noch aus.  PGV-Alrutz kann den Einsatz im Einzelfall empfehlen, zu den Kriterien besteht aber noch Untersuchungsbedarf.

Beitrag von PGV-Alrutz, Hannover (Bietergemeinschaft Koordinationsbüro AGFK Bayern)

 

 

 

Veröffentlicht am: 18.07.2016