zurück

Highlight Studienreise: Amsterdam

Amsterdam – aus Sicht des aufmerksamen Besuchers

Wer unvermeidbar mit dem Auto nach Amsterdam anreisen muss, sollte sich zuvor Gedanken über einen Stellplatz für sein Fahr- bzw. Stehzeug machen. 5 – 7 EUR pro Stunde für straßenseitiges Parken sind ein Ansporn sein Nutzerverhalten zu hinterfragen. Gesagt getan und ein P+R Angebot für 3,- EUR am Tag genutzt. Die Einfahrt mit dem Bus in das Stadtzentrum verläuft problemlos, die Informationsanzeigen sind durchdacht und benutzerfreundlich. Das innerstädtische Straßenbild wirkt irgendwie vertraut, allerdings mit einem kleinen entscheidenden Detailunterschied: Das Raum- bzw. Platzangebot für den MIV ist deutlich und entsprechend spürbar reduziert. Spürbar ist in diesem Fall wörtlich und sinnlich wahrnehmbar zu verstehen: Der visuelle Störfaktor stehender und sich bewegender Metallkisten ist im Vergleich zum heimischen München angenehm reduziert, Fahrbahnen teilweise längere Zeitintervalle bzw. über längere Strecken leer, auch wenn es natürlich befahrene Hauptverkehrsachsen gibt. Abseits von diesen Achsen schlägt zudem ein deutlich geringerer Lärmpegel positiv zu Buche und gestaltet Gespräche untereinander wesentlich einfacher.

Ob es darin liegt, dass Amsterdam Zugang zum Wasser hat oder aber der reduzierte MIV im Innenstadtbereich ausschlaggebend ist (rund 60% aller Fahrten werden dort mit dem Fahrrad zurückgelegt), jedenfalls wirkt die Luftqualität um ein Vielfaches angenehmer als in der bayerischen Landeshauptstadt. Das erfreut natürlich die unzähligen und das Stadtbild prägenden Radfahrer. Redend, lachend und flirtend schwirren sie meist regelkonform um einen herum. Antizipativ machen sie ihr Umfeld auf ihre Routenwahl aufmerksam und kommunizieren oder signalisieren in Kreuzungssituationen mit Blickkontakt und Freundlichkeit ihre Absicht. Unmittelbare Interaktion paart sich mit einer wiederlangten Entscheidungskompetenz für die Folgen des Augenblicks. So positiv verantwortlich für das gemeinsame Gelingen der Verkehrsabwicklung fühlt man sich daheim in Deutschland nur selten. Wer sich allerdings der Notwendigkeit des eigenen umsichtigen Verhaltens wiedersetzt, dem wird Amsterdam als nervenaufreibender Ort voll chaotischem Radverkehr in Erinnerung bleiben.

Veröffentlicht am: 20.06.2017