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Highlight Studienreise: Almere

Almere ist die jüngste Stadt der Niederlande (Baubeginn auf eingepoldertem Land in 1975) mit mittlerweile 220.000 Einwohnern. Das Besondere an dieser auch für die Niederlande einmaligen Stadt ist deren konzeptionelle, am Reißbrett entwickelte Stadtanlage. Die bekannte räumliche Trennung der Funktionen „Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit“ wurde auf die verschiedenen Verkehrsträger ausgeweitet. So ist in Almere praktisch kein Radweg an einer Hauptverkehrsstraße zu finden. Vielmehr verfügt der Radverkehr über ein separates und fast kreuzungsfreies 500km langes Wegenetz (es hat über 200 exklusive Tunnel bzw. Brücken), das sich auf die wichtigen Stadtteilzentren mit Bahnanschluss konzentriert. Auch der öffentliche Nahverkehr (hier vor allem der Bus) wird auf über 100km eigenständiger Trasse geführt. Erst in verkehrsberuhigten Gebieten, insbesondere Wohngebieten, werden Auto- und Radverkehr zusammengeführt – und dies auf landestypische (gewohnt radverkehrsfreundliche) Art und Weise.

Das konkrete Fahrerlebnis als Radfahrer ist schon ein sehr besonderes. Tut man sich zu Beginn noch schwer und erwartet hinter jeder nächsten Kurve eine Gefahrensituation (aufgrund infrastruktureller Qualitätsmängel), stellt man nach Ende der Tour erstaunt fest, wie sich schleichend, aber nachhaltig das unbeschwerte und stimulierende Lebensgefühl früherer Überland-Radtouren eingestellt hat. Ob dabei die kaum abwechselnden, immer gleichen Ein- bzw. Zweifamilienhausreihen zu einem beglückenden optischen Erlebnis beitragen, bleibt dahingestellt. Erfreulicher Weise konnten dafür Gruppen Rad-fahrender und umhertollender Schüler beobachtet werden, ein eher seltener Anblick aus bundesdeutscher Perspektive.

Insgesamt ist die Stadt ein spannendes Real-Labor und unter radverkehrsspezifischen Gesichtspunkten ein einmaliges Erlebnis – das viele gute Ansätze für den Städteneubau bereithält.

 

Weiterführende Links:

Zukunft Mobilität

Bicycledutch.Wordpress

Veröffentlicht am: 06.06.2017